Die Straße ist für alle da – wir fordern mehr Platz für Begegnung und Verbindung

Am 4. Oktober 2020 demonstrierten die Nachbar:innen des Nußberger Pfads und des Spielplatzes für sichere und freie Straßen für Erwachsene und Kinder. Von 13 bis 17 Uhr wurde in Ossendorf der Nußberger Pfad und ein kleiner Bereich vor dem Spielplatz gesperrt, sodass der Straßenraum für alle Beteiligten der Demonstration nutzbar gemacht wurde.

Ein Raum für alle Generationen

Am Nußberger Pfad treffen zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite ein klassisches Wohnviertel im Umbruch. Hier mischen sich Menschen, die seit Jahrzehnten im Viertel wohnen, mit Familien, die in den letzten Jahren neu hinzugezogen sind. Auf der anderen Straßenseite baut die Ehrenfelder Genossenschaft – die “Ossendorfer Gartenhöfe” wurden abgerissen und neu gebaut – mit einem zusätzlichen Geschoss und mehr Wohnraum als vorher. In der Tiefgarage gibt es Parkplätze, oberirdisch eine Cambio-Carsharing-Station.  Die Demo hatten Anwohner aus beiden Bereichen gemeinsam entwickelt und angemeldet.

Als Demoorganisator:innen forderten sie einen öffentlichen Raum, in dem sich alle zuhause fühlen. Sie machten sich dafür stark, dass der bereits vorhandene Spielplatz erhalten und aufgewertet wird und somit ein neuer Platz für Begegnungen werden soll. Gerade für die schwächsten Verkehrsteilnehmer:innen setzte die Demonstration mit Forderungen nach sicheren Schulwegen und sicheren Straßen ein Zeichen. Denn besonders in Wohnvierteln braucht es mehr verkehrsberuhigte Bereiche oder Spielstraßen, damit die Kinder ohne Gefahren und Angst auf der Straße spielen können.

Lebensraum Straße

In Zeiten von Corona braucht es mehr öffentlich zugängliche Räume, sowohl draußen als auch drinnen. Die Demonstration setzte ein Zeichen dafür wie schnell man in dieser Zeit, in der es viele Einschränkungen im öffentlichen Raum gibt, in der es zu wenig Spielräume für Kinder gibt, einen sicheren Begegnungsort für Nachbarschaften schaffen kann, der lokal und corona-konform funktioniert. Nämlich einfach indem man die Straße für den motorisierten Verkehr sperrt. Wie Nachbarschaft gestärkt, Grünflächen und Orte für Begegnung geschaffen werden können diskutierten innerhalb der Demonstration in einem halbstündigen Plenum Redner:innen aus verschiedenen Bereichen. Josef Wirges, Bezirksbürgermeister von Ehrenfeld, Volker Ermert von der Gartenwerkstatt Ehrenfeld, Anna Genser und Georg Hohnsen, als Vertreter:innnen der Nachbarschaft und Martin Herrndorf von der Agora Köln diskutierten gemeinsam, wie sich im Stadtviertel auf ruhigere Wohnviertel und sicheren Raum und sichere Straßen schaffen lassen. Dann konnten Demonstrationsbesucher:innen und Nachbar:innen in offener Runde und ihre Fragen, Ideen und Anmerkungen äußern.

Nachhaltige Stadtentwicklung

Ein Zeichen für eine Stadt mit alternativer Mobilität und die Schaffung der fairen Verteilung von öffentlichen Verkehrsflächen setzte der Redebeitrag von Rolf Beierling-Hemonet vom Bündnis Verkehrswende. Das Bündnis fordert, dass Politik und Stadtverwaltung mehr Mittel und Möglichkeiten für die Verkehrswende in Köln bereitstellen sollen. Die Gartenwerkstatt Ehrenfeld betonte in ihrem Redebeitrag die Wichtigkeit von Gartenprojekten in öffentlichen Räumen, da diese Menschen aller Kulturen und jeden Alters im urbanen Raum zusammenbringen, zum Austausch einladen und währendessen das Stadtklima mit kleinen Grünoasen verbessern und eine nachhaltige Veränderung des Stadtraumes fördern. Innerhalb der Demonstration fand mit dem Hintergrund von nachhaltiger Stadtentwicklung ein Vortrag und eine Führung innerhalb der Gemeinschaftsgärten am Nußberger Pfad in Ossendorf statt.

Neben der Redebeiträge wurden die Forderungen der Demonstration durch Musikbeiträge der Rochus Musikschule und ein nachbarschaftlich organisiertes Konzert der Ukulele Combo unterstützt.

Öffentlichen Raum nutzen und pflegen

Wir wollen nicht nur mehr freie Flächen im öffentlichen Raum sondern wir wollen auch zeigen, dass man mit diesen Flächen gut umgehen soll, damit sie für alle nutzbar sind und auch nutzbar bleiben. Deswegen fand im Rahmen der Demonstration eine Müllsammelaktion der Kölner-Rhein-Aufräum-Kommando-Einheit (K.R.A.K.E) auf dem Spielplatz und umliegenden Straßen statt bei der Kinder und Erwachsene aus der Nachbarschaft und Demonstrationsbesucher:innen teilnehmen und mithelfen konnten. Die K.R.A.K.E setzt sich mittlerweile kölnweit für ehrenamtliche Aufräum und Clean-Up Aktionen ein und übernimmt damit Verantwortung für die Grün- und Straßenflächen in Köln. Vor Ort konnten sich Demonstrationsbesucher:innen und Interessierte über aktuelle Projekte und Termine an ihrem Vereinsstand informieren.

Tag des guten Lebens – stadtweit und dezentral

Zur Umsetzung eines dezentralen Tag des guten Lebens ruft die Agora Köln in 2020 zu Demos für mehr Freiraum und Begegnungsorte auf. 

Auch im Oktober werden Nachbar:innen und Initiativen weiterer Stadtviertel Kölns eine andere Aufteilung und Nutzung des öffentlich Raums sowie sozialen Zusammenhalt, Klimaschutz, mehr Grün oder eine andere Mobilität einfordern.

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