Berliner Straße fordert mehr Freiraum in Köln

Am vergangenen Sonntag, dem 6. September 2020, demonstrierten Anwohnende und Akteur*innen der Berliner Straße vom Clevischen Ring bis zur Von Sparr-Straße in Mülheim. Sie forderten: Mehr öffentliche Freiräume für Begegnung und Austausch in der Nachbarschaft, für Kultur und Bildung – auch, um Begegnungsräume zu kompensieren, die auf Grund von Corona in letzter Zeit weggefallen sind.

Ein Zeichen für Freiraum

Mit der Demo wollten die Beteiligten durch die Sperrung der Berliner Straße ein Zeichen setzen: Für freien, öffentlichen Raum in Köln. Die Straße wurde für alle zugänglich gemacht, sodass trotz Corona ein sicheres nachbarschaftliches Miteinander möglich war und Platz für alle geschaffen wurde.

Die Berliner Straße ist eigentlich eine sehr laute, stark mit Autoverkehr belastete Straße ohne geschützte Räume für den Radverkehr. Für die Demo wurde die Berliner Straße vom Clevischen Ring bis zum Kreisverkehr und ein kleiner Teil der Von-Sparr-Straße für vier Stunden von 14 bis 18 Uhr gesperrt.

Initiiert durch den Kulturbunker Köln nahmen diese umliegende Vereine und Initiativen an der Demo teil: La Ranzeria, das Bündnis Verkehrswende, Evi Blink – Ein Raum zum Warten, Ein Raum für Mülheim, Marktschwärmer Schäl Sick, die Initiative „Herkesin Meydani – Platz für alle“, U wie Unverpackt, ISS-Netzwerk, Hallo Nachbar, danke schön, Maviblau e.V., Kidical Mass und K.R.A.K.E.

Raum für Begegnung

Auf der Freiraum-Demonstration gab es Redebeiträge, in denen Freiraum und eine neue Aufteilung der Straße eingefordert wurden. Dazu gehörten Forderungen nach Raum für Bildung, nach alternativen Formen der Mobilität, nach Platz für Kinder, sowohl zu Fuß als auch auf dem Fahrrad. 

Durch den entstandenen Freiraum konnten alle Teilnehmenden sich sicher auf der Straße bewegen, Straße als Lebensraum, als Begegnungsraum, als Raum für sicheren Austausch wahrnehmen. Nicht nur Kinder spielten auf der Straße – mit Kreide und Fußball – auch so mancher Erwachsene griff zur Kreide und hielt eigene Freiraum-Forderungen direkt auf der Straße fest. Die Menschen aus der Nachbarschaft konnten sich kennenlernen, sowohl an der Bühne als auch in Gesprächen an den Infoständen der Vereine und Initiativen.

Raum für Kultur und Bildung

Freiraum braucht es auch für Kultur – auch weil viele Kulturorte gerade auf längere Zeit geschlossen sind. Die La Ranzeria machte dies deutlich z. B. durch Wortbeiträge. Aber auch Musiker*innen aus dem Veedel konnten auf der Bühne ihre (musikalischen) Forderungen loswerden, darunter  Anatolian Lover & Jonesis (Müllem Seaside), DJ Pattex, Maviblau e.V., Jua, Vava und Illfish. 

An den Infoständen von Marktschwärmerei Schäl Sick, ISS-Netzwerk, Ein Raum für Mülheim und der K.R.A.K.E konnten sich Interessierte über aktuelle Projekte und Initiativen informiert.

Die K.R.A.K.E führte spontan eine Müllsammel-Aktion auf der Berliner Straße durch.

Welchen Weg regionale und überregionale Produkte hinter sich haben, bevor sie bei uns auf dem Teller landen, verdeutlichten die Marktschwärmer Schäl Sick mit ihrer Aktion: Sie luden die Nachbarschaft ein die Reisen von Obst und Gemüse, Milch oder Quinoa bildlich auf der Straße abzulaufen – je nach Lebensmittel waren es einige Meter oder nur wenige Zentimeter.

Der Kulturbunker Köln-Mülheim e.V. setzt sich seit 1990 für die Förderung der Kunst und Kultur in Mülheim ein, um die Begegnung von Menschen aller sozialer Schichten, Nationalitäten und Altersgruppen zu ermöglichen. Neben der Organisation der Demonstration wurde am Marktplatz eine Pop-up-Agora aufgebaut, die als Austauschplattform für den persönlichen Dialog diente. Der Kulturbunker hat damit einen Ort der Begegnung und des Austauschs in Köln Mülheim geschaffen, an dem Fragen zum Thema Demokratie und Freiheit gestellt und diskutiert werden konnten und an dem neue Ideen für unser gesellschaftliches Zusammenleben entstanden. 

Tag des guten Lebens – stadtweit und dezentral

Zur Umsetzung eines dezentralen Tag des guten Lebens ruft die Agora Köln dieses Jahr zu Demos für mehr Freiraum und Begegnungsorte auf. Nach dem Allerweltshaus in der Grimmstraße in Ehrenfeld, war die Freiraum-Demo in der Berliner Straße die zweite Aktion.

Auch in den kommenden Wochen fordern Nachbar*innen und Initiativen aus weiteren Kölner Vierteln eine andere Aufteilung und Nutzung des öffentlich Raums sowie sozialen Zusammenhalt, Klimaschutz, mehr Grün oder eine andere Mobilität. 

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